Perfektionismus und Aufschieberitis

Perfektionismus und Aufschieberitis - Coach Chris Schmidt

Der nachfolgende Artikel wurde als Ergänzung zum Spezialreport FOCUS ON PRIORITY erstellt. Du kannst den kostenlosen Spezialreport als eBook hier herunterladen.

Dringend oder Wichtig

Dringend und Wichtig sind grundsätzlich zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Dringende Aufgaben sind meist nicht wichtig. Wichtige Aufgaben sind hingegen im Grundsatz nur sehr selten dringend.

Allerdings können Wichtig und Dringend, wenn sie nicht auseinander gehalten werden, in einen emotionalen Teufelskreis führen. Nämlich dann, wenn wir wichtige Dinge so lange aufschieben, bis sie schliesslich dringend geworden sind. Wir kommen dann zunehmend unter Druck und fühlen uns entsprechend schlecht.

Und dieser Effekt tritt nicht nur bei den wirklich wichtigen Dingen in unserem Leben auf. Selbst eher nebensächliche Aufgaben werden auf diese Weise irgendwann zu dringlichen Angelegenheiten und damit oft zu wahren Alpträumen.

Denke daran, wie du vor einer Urlaubsreise mit deiner Familie den Kofferraum deines Autos belädst. Wenn du zunächst all die kleineren Beutel, Taschen, Täschchen, Tüten, Jacken, Stofftiere, Sandspielzeuge und sonstige Einzelteile einlädst, wirst du vermutlich bald feststellen, dass für die grossen Koffer kein Platz mehr ist.

Taktisch klüger wäre es also wohl, zuerst die grössten Koffer und Gepäckstücke zu verstauen und erst danach die Kleinteile in die verbleibenden Lücken zu sortieren.

Entsprechend taktisch solltest du bei deinem Zeitmanagement vorgehen. Plane immer zuerst die grossen, wichtigen Dinge in deinen Jahres-, Monats-, Wochen-, oder Tagesplan. Danach kannst du dann die kleineren, eher unwichtigeren Aufgaben in die noch verbleibenden zeitlichen Lücken einplanen.

Mit anderen Worten: Gib den wichtigen Dingen in deinem Leben immer genug Raum und Zeit. Setze die wichtigen Dinge an den Anfang. Räume den wichtigen Dingen in deinem Leben immer die höchste Priorität ein.

Wenn du irgendetwas bewusst dringend machen willst, dann muss es sich dabei um eine sehr wichtige Sache handeln.

Bedenke allerdings, dass je mehr Dringliches dein Leben bestimmt, desto weniger wird es durch Wichtiges bestimmt. Der Preis, den wir für die Dringlichkeit bezahlen, ist in aller Regel der Verlust des Wichtigen in unserem Leben.

Unsere echten, selbst gewählten Prioritäten dürfen nicht zu kurz kommen, nur weil wir uns pausenlos um irgendwelche dringend gewordene Dinge kümmern müssen.

Die 48-Stunden-Taktik

Aus diesem Grunde ist es so wichtig, das wir unser taktisches Zeitmanagement anhand unserer Prioritäten ausrichten und nicht etwa unsere Prioritäten nach der vermeintlich vorhandenen Zeit.

Sicherlich hast du in deinem Leben schon einmal die Erfahrung gemacht, dass du dir etwas vorgenommen hast, was du letztlich dann doch nicht umgesetzt hast. Anders ausgedrückt, du hast dieser neuen Idee keine Priorität und damit auch keine Zeit zugewiesen.

Möglicherweise hast du dir dann selbst attestiert, dass du kein besonders disziplinierter Mensch bist, dass dein Schweinehund dich besiegt hat oder irgend etwas in dieser Richtung.

Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass du dich selbst, beziehungsweise dein Gehirn nicht entsprechend programmiert hast.

Damit nämlich dein Unbewusstes den Unterschied zwischen einer Es-wäre-ja-mal-ganz-schön-wenn-Idee und einem echten Vorsatz erkennen kann, braucht es eindeutige Signale.

Fehlt es an diesen eindeutigen Signale, behandelt dein Gehirn die Idee wie die meisten deiner Gedanken. Es nimmt sie einfach zur Kenntnis. Und dann vergisst, beziehungsweise vergräbt es sie irgendwo.

Dem Gehenden legt sich der Weg unter die Füsse

Neben dem bewussten Aufschreiben deines Vorsatzes ist es deshalb entscheidend, deinem Unbewussten möglichst bald den ersten konkreten Handlungsimpuls zu geben. Untersuchungen hierzu haben gezeigt, dass die Chance, eine gute Idee tatsächlich umzusetzen, rapide abnimmt, wenn wir nicht innerhalb von 48 Stunden den ersten konkreten Schritt zur Umsetzung unternehmen.

Dieser Schritt muss dabei überhaupt nicht gewaltig sein. Er muss nicht viel Zeit oder Geld beanspruchen. Wichtig ist nur, dass wir uns tatsächlich auf den Weg machen. Oft geschieht es dann auch, dass die Dinge sich wie durch Magie zueinander fügen und die Reise sehr viel leichter wird, als zuvor angenommen.

Also – wenn du eine Idee als wichtig für dein Leben klassifiziert hast, mache sie zu einer Priorität und mache innerhalb der nächsten 48 Stunden den ersten Schritt zur Umsetzung. Wenn du diesen Schritt gemacht hast, finde den nächsten heraus und erledige ihn wiederum innerhalb von maximal 48 Stunden.

Wichtig ist nicht hastig

Auf diese Weise ist gewährleistet, dass du immer in Bewegung bleibst und zwar primär orientiert an deinen echten Prioritäten. So bist du durchgängig produktiv und kommst deinen Zielen Stück für Stück näher.

Bei der 48-Stunden-Taktik geht es gar nicht so sehr darum, deine Geschwindigkeit zu erhöhen. Ganz im Gegenteil. Hast und Eile können Stress erzeugen und uns krank machen. In den meisten Fällen bietet eine entspannte Vorgehensweise deutlich mehr Vorzüge und ist gesünder.

Der menschliche Organismus ist nicht dafür geschaffen, dauerhaft unter Stress zu funktionieren und von einem Projekt zum nächsten zu hetzen.

Gerade bei unseren wirklich wichtigen Projekten brauchen wir immer wieder Momente der Ruhe und Entspannung um innezuhalten, nachzudenken, zu reflektieren und dann vor dort aus weiter zu planen.

Wichtig und sofort bedeuten also nicht „in grösster Hast.“ Es geht vielmehr darum, dass wir die als wichtig festgelegten Dinge in unserem Leben möglichst sofort, also innerhalb von 48 Stunden, auf den Weg bringen. Allerdings nicht um jeden Preis und mit rasender Geschwindigkeit.

Du musst nicht der Schnellste sein. Aber du musst so schnell wie möglich anfangen. Mache es dringend, mit allem Wichtigen so schnell wie irgend möglich zu beginnen.

Aufschieberitis

Die 48-Stunden-Taktik ist damit auch schon die beste Waffe gegen eine weit verbreitete Krankheit, welche Aufschieberitis genannt wird. Wir leiden unter dieser Krankheit immer dann, wenn wir unsere Aufgaben auf des Teufels liebstes Möbelstück schieben – die lange Bank.

Wenn du die 6 einfachen taktischen Prinzipien aus FOCUS ON PRIORITY in deinem Leben integrierst, sollte es kaum noch vorkommen, dass deine echten Prioritäten von Aufschieberitis befallen werden. Dein taktisches Vorgehen auf Tagesbasis verhindert genau das.

Etwas problematischer ist es häufiger mit den Aufgaben, die uns nicht so viel Freude bereiten. Diese schieben wir oft so lange auf, bis sie dringend geworden sind. Auf diese Weise werden unangenehme Dinge noch unangenehmer.

Um künftig nicht mehr in diese Situation zu kommen, empfiehlt sich einmal mehr das FOCUS ON PRIORITY Konzept. Überprüfe anhand deiner Möglichkeit-Liste immer wieder, welche To Dos dir besonders unangenehm erscheinen.

Stelle dann zunächst fest, ob du diese Aufgaben auf irgendeine Weise komplett aus deinem Leben entfernen kannst. Dies geht zum Beispiel durch Delegieren oder Auslagern. Erwäge also auch, jemanden dafür zu bezahlen, dass er dir diese lästigen Aufgaben vollständig abnimmt.

So kannst du etwa alles, was mit dem Thema Steuern zu tun hat, durch einen Steuerberater erledigen lassen. Auch so gut wie alles im Haushalt lässt sich durch andere erledigen.

Vielleicht kannst du im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auch Aufgaben tauschen. Du erledigst dann eventuell Dinge für andere, die dir mehr Freude machen. Im Gegenzug gibst du ungeliebte Aufgaben ab.

Viele unserer nervigen Aufgaben sind an bestimmte Rollen geknüpft, welche wir innehaben. Dass hat den Vorteil, dass wir uns in der Regel dieser Aufgaben sofort entledigen können, wenn wir die entsprechende Rolle aufgeben.

Untersuche daher auch, was diesbezüglich in deinem Leben machbar ist. Wenn du also keine Lust mehr darauf hast, jeden Morgen mit einer Warnweste am Zebrastreifen zu stehen, lege halt dein Ehrenamt als Schülerlotse nieder.

Das Prinzip sollte deutlich werden – eliminiere radikal so viele der ungeliebten Aufgaben in deinem Leben, wie nur irgend möglich und sorge künftig dafür, dass keine weiteren dieser Art hinzukommen.

Je nachdem wie gut du dabei vorgehst, wird aber immer noch eine (möglichst kleine) Anzahl von weniger erfreulichen Aufgaben bleiben. Auch hierfür benötigst du eine Lösung.

Aufschieberitis kommt aus den oben genannten Gründen nicht in Frage. Es hilft also nichts, diese Aufgaben müssen erledigt werden. Soviel ist klar. Und weil das eben klar ist, akzeptiere es einfach und finde deinen persönlichen Weg dafür.

Hier gibt es kein Patentrezept. Probiere ein wenig herum. Viele Klienten bündeln diese nervigen Tätigkeiten und erledigen sie dann zum Beispiel gesammelt einmal an einem Nachmittag pro Woche. Danach haben Sie dann wieder 6,5 Tage Ruhe und können sich ausschliesslich um die erfreulichen, wichtigen Dinge in ihrem Leben kümmern.

Genauso funktioniert es auf Tagesbasis. 30 Minuten täglich für die Bäh-Aufgaben. Davor und danach nur noch Schönes. Wie  du Aufgaben sinnvoll bündelst und in deinem Tagesplan unterbringst, erfährst du im kostenlosen Spezialreport FOCUS ON PRIORITY.

Perfektionismus

Wenn Aufschieberitis die eine Seite der Medaille ist, dann ist Perfektionismus gewissermassen die andere. Denn so bedeutsam es ist, möglichst schnell zu beginnen, so ist es ebenso bedeutsam auch zum Ende kommen zu können. Übertriebener Perfektionismus raubt unfassbar viel Zeit und führt im schlimmsten Fall zu Stillstand und Lähmung.

Ausserdem belastet die anhaltende Ich-bin-noch-nicht-fertig-Vorstellung permanent unser Gemüt. Dauerstress und sogar Depressionen können die Folge sein.

Der Perfektionist verwendet unverhältnismässig viel Zeit darauf, an den letzten paar Prozent seines Produkts zu feilen. Dabei wird 99 % aller Menschen der Unterschied niemals auffallen. Es scheint zudem erwiesen, dass von Menschen geschaffene Perfektion gar nicht existieren kann.

Lass es also gut sein!

Von dem Maler Pierre Bonnard wird erzählt, das er einmal Pinsel, Farbe und eine kleine Palette in den Louvre geschmuggelt haben soll. Als er sich unbeobachtet fühlte, begann er damit, eines seiner dort ausgestellten Bilder zu übermalen.

Dabei wurde er jedoch von den Museumswächtern entdeckt und festgenommen. Bonnard wollte sich immer wieder losreissen und schrie dabei Sätze wie: “Das ist mein Bild. Es ist noch nicht fertig. Ich muss es noch fertigstellen.”

Der eilig hinzugekommene Direktor soll daraufhin erwidert haben: „Monsieur, dieses Bild IST fertig. Sonst würde es nicht im Louvre hängen.”

Das eigentliche Problem am Perfektionismus ist in vielen Fällen die dahinter stehende Angst vor Fehlern und der eigenen Wertlosigkeit oder Unvollkommenheit.

Viele von uns haben eine Erziehung genossen, bei der der Wert unserer Leistung daran gemessen wurde, wie viele beziehungsweise wie wenige Fehler wir gemacht haben. Auch unser heutiges Schulsystem funktioniert überwiegend noch nach diesem Muster.

Eine solche Konditionierung kann einmal mehr zu destruktiven Programmen in unserem Unbewussten führen. Wir entwickeln dann Glaubenssätze nach denen wir möglichst keine Fehler machen dürfen. Denn wer Fehler macht, ist in den Augen anderer weniger wert.

Und wenn wir uns von anderen nicht wertgeschätzt fühlen, kann dies regelmässig auch fatale Auswirkungen auf unser eigenes Selbstwertgefühl haben.

Dabei lassen sich Fehler auch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. In aller Munde ist etwa die Geschichte von Thomas Edison. Er soll auf seinem Weg zur Erfindung der Glühbirne rund 10.000 so genannter Fehlversuche produziert haben.

Seinen Kritikern, die ihm nach jedem erneuten Scheitern rieten, endlich mit diesem Unfug aufzuhören, entgegnete Edison stets etwas in der Form wie: „Sehr gut. Nun habe ich einen weiteren Weg gefunden, wie es nicht funktioniert. Auf diese Weise komme ich einer Lösung immer näher.”

Und bei IBM soll sich Folgendes zugetragen haben.

Einem Angestellten war ein Fehler unterlaufen und es war abzusehen, dass dieser das Unternehmen rund 10 Millionen US-Dollar kosten würde. Der verantwortliche Mitarbeiter wurden in das Büro von Tom Watson, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Der Mann war sich sicher, dass er umgehend gekündigt werden würde.

Zu seinem grossen Erstaunen soll Watson allerdings gesagt haben: „Sind Sie wahnsinnig, Mann? Wir können Sie doch nicht feuern. Nicht, nachdem wir gerade 10 Millionen Dollar in Ihre Ausbildung investiert haben.”

Beide Geschichten zeigen, dass es auch im Bereich „Fehler“ nur um eines geht. Nämlich um unseren Fokus und unsere Einstellung. Fehler sind nicht grundsätzlich etwas Schlechtes und sie sagen überhaupt nichts über unseren Wert als Person aus.

Wir müssen die Freiheit haben, Fehler zu machen, ohne uns dabei mies zu fühlen. Nur auf diese Weise können wir lernen und wachsen. Fehler haben das Potenzial, uns stärker und klüger zu machen.

Dazu müssen wir nur den Fokus entsprechend verändern. Erfolgreich ist nicht derjenige, der keine Fehler macht, sondern der, der in Bezug auf seine Prioritäten produktiv ist. Wer aber produktiv ist, wird zwangsläufig Fehler machen. Fehler gehören zum Erfolg dazu. Sie sind sogar gewissermassen unverzichtbar für den Erfolg.

Pareto lässt grüssen

Sicherlich hast du schon von dem Pareto-Prinzip gehört. Es ist auch als das 80:20-Prinzip bekannt und besagt unter anderem, dass 80 % unserer Ergebnisse mit nur 20 % unseres Aufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 % erfordern hingegen mit 80 % die meiste Anstrengung.

Wer sagt, dass du immer 100 % geben oder abliefern musst? Die meisten Ergebnisse, die du erzielst, sind mit einer 80 % Qualität immer noch mehr als gut genug. Überprüfe daher stets sehr genau, ob die letzten 20 % es wirklich wert sind, 80 % deiner Energie zu fressen.

Ein guter Plan heute ist sehr viel besser als ein perfekter Plan morgen. Es ist besser, fehlerhaft zu beginnen, als perfekt zu zögern.

Und es ist auch in den meisten Fällen sehr viel besser, ein Projekt fehlerhaft zu beenden, als es perfekt in die Länge zu ziehen.

Um unsere Einstellung  in Sachen Perfektionismus und Aufschieberitis nachhaltig zu verändern, ist in den meisten Fällen ein Focus Coaching auf der unbewussten Ebene erforderlich.

Hierzu reichen in der Regel 1-2 telefonische Coaching Termine aus.

Lass mich gern wissen, wenn ich dich diesbezüglich unterstützen darf.

Hier noch einige Tipps, die du in Ergänzung zu deinem persönlichen FOCUS ON PRIORITY Konzept umsetzen kannst.

  1. Das Wichtige immer zuerst. Plane deinen Tag so, dass du die Aufgabe mit der höchsten Priorität zuerst erledigst. Das muss nicht zwangsläufig die dringendste Aufgaben sein.
  2. Frage dich im Rahmen deiner Tagesplanung: „Was kann ich in meinem Leben verändern, so dass ich noch mehr Zeit für die wirklich wichtige Dinge habe, anstatt mich immer um die dringenden Dinge kümmern zu müssen?“ Gib deinem Unterbewusstsein ausreichend Zeit, um Antworten auf diese Frage zu finden.
  3. Wenn du dich klar dafür entschieden hast, ein neues Projekt zu beginnen, mache es zur Gewohnheit, innerhalb von 48 Stunden den ersten Schritt dazu zu machen. Dieser Schritt darf klein sein. Wichtig ist, dass du in Bewegung kommst. Mache den ersten Schritt und plane direkt danach den nächsten.
  4. Prüfe regelmässig, ob du in die Perfektionismus-Falle geraten bist. Gerade dann, wenn es stressig wird. Wo kannst du ein Projekt beenden oder es ruhen lassen? Wo sind 80 % längst ein gutes Ergebnis?
  5. Habe keine Angst vor Fehlern. Betrache jeden Fehler ab sofort als Freund oder Coach.